DIE GESCHICHTE HINTER DEN DINGEN
Jugendliche erkunden persönliche Gegenstände und erfahren mehr über ihre einstigen Besitzer*innen und deren Verfolgungswege.
Themen
#NS-Verbrechen
#Quellen
#Erinnerung
#Biographie
#Graphic Novel
Dauer
flexibel einsetzbar
Richtet sich an
Jugendliche ab
Jahrgangsstufe 9
Benötigtes Material
PC oder Tablet und
Kopfhörer für jede Person
Was verraten persönliche Gegenstände über das Leben ihrer früheren Besitzer*innen? Ausgehend von Erinnerungsstücken und persönlichen Gegenständen, die NS-Verfolgten gehörten, entdecken Jugendliche Hinweise zu den Lebensgeschichten dieser Menschen. Sie beantworten Fragen und gelangen so zu Graphic Novels, die Jugendliche auf Basis eigener Recherchen gemeinsam mit Künstler*innen gestaltet haben und den Lebensweg der verfolgten Personen erzählen. Auf den Rückseiten einzelner Comic-Bilder finden sich die Quellen und weitere Informationen, auf denen die Erzählungen beruhen. Das Lernmodul verbindet biographisches Lernen mit historischer Quellenarbeit und lädt zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit NS-Verfolgung und Erinnerung ein.
- Forschend-entdeckendes Lernen durch Erkunden von persönlichen Gegenständen in 3D, Graphic Novels und Quellen
- Verbindung von Quellenkritik, Storytelling und künstlerischer Gestaltung
- Biographischer Zugang und aktive Auseinandersetzung mit dem Lebensweg von Verfolgten des Nationalsozialismus
- Problemorientiertes Vorgehen bei der biographischen Rekonstruktion mithilfe von Gegenständen, Hinweisen und Quellen
- Graphic Novels als niedrigschwelliger, emotional-ästhetischer Zugang zur NS-Geschichte (u. a. durch Personalisierung, Visualisierung des Unfassbaren, künstlerische Abstraktion und Reduktion)
- Peer-to-Peer-Ansatz mit Inhalten, die aus der Perspektive Jugendlicher und anhand ihrer Fragen gestaltet wurden
Einfach
- Für wen haben die persönlichen Gegenstände und Erinnerungsstücke eine Bedeutung?
- Was macht persönliche Gegenstände besonders?
- Welche unterschiedlichen Gründe hatten die Nationalsozialisten für die Verfolgung von Menschen?
- Waren Maurice Aubry, Martin van Gent und Lotte Sondheimer frei in ihren Entscheidungen?
Mittel
- Wann bekommen persönliche Gegenstände eine Bedeutung?
- Warum haben die Nationalsozialisten in ganz Europa Menschen verfolgt?
- Vergleiche einzelne Quellen mit der Umsetzung in der jeweiligen Graphic Novel. Wie wurden die historischen Quellen in den Graphic Novels eingebunden?
- Welche Handlungsmöglichkeiten hatten Maurice Aubry, Martin van Gent und Lotte Sondheimer während der Verfolgung?
- Welche selbständigen Entscheidungen haben Maurice Aubry, Martin van Gent und Lotte Sondheimer im Laufe ihres Lebens getroffen?
- Haben sich Maurice Aubry, Martin van Gent und Lotte Sondheimer selbstbehauptet oder waren sie Opfer?
Schwer
- Welche Entwicklungen führten dazu, dass Menschen wie Maurice Aubry, Martin van Gent, Lotte Sondheimer in Europa verfolgt wurden?
- Welche Bedeutung können Effekten aus Konzentrationslager in der Erinnerungskultur einnehmen?
- Wie wurden Informationen aus den Quellen in den Graphic Novels umgesetzt und was sagt das über das Verhältnis von Fakten und Fiktion aus?
- Wie viele Handlungsmöglichkeiten und wie viel Selbstbestimmung hatten Maurice Aubry, Martin van Gent und Lotte Sondheimer ab der Verschleppung ins Internierungs- oder Konzentrationslager?
- Maurice Aubry – junger und naiver oder kalkulierter und wohlüberlegter Widerstand?
- Martin van Gent – patriotische Pflicht oder humanistischer Widerstand?
- Lotte Sondheimer – Emanzipation und Moderne oder Opfer und Verfolgung?
- Empathie fördern: Mitgefühl für die Opfer des Nationalsozialismus durch die Beschäftigung mit den Verfolgungsgeschichten entwickeln
- Europäische Dimension der NS-Verfolgung verstehen: Anhand von drei europäischen Biographien die räumliche Dimension der Verfolgung und die unterschiedlichen Verfolgungsgründe der Nationalsozialisten nachvollziehen
- Fakten und Fiktion kritisch reflektieren: Durch aktive Auseinandersetzung mit quellenbasierten und trotzdem fiktiven Graphic Novels das Zusammenspiel von Historizität und der künstlerischen Freiheit des Storytellings verstehen und so Geschichte als Konstrukt begreifen
- Erinnerungskultur mitgestalten: Aus der künstlerischen Gestaltung der Lebensgeschichten von NS-Verfolgten Impulse für ein eigenes Erinnerungsprojektes gewinnen
Was sind mögliche Herausforderungen und Schwierigkeiten, die bei der Erkundung des interaktiven Lernmoduls auftreten können und wie kann damit umgegangen werden?
Es kann sinnvoll sein, zu Beginn die Mechanik des Moduls vorzustellen, um sicherzustellen, dass alle Jugendlichen die Hinweise bei der Erkundung der 3D-Objekte finden (erkennbar als limettengrüne Faktenpunkte). Es sollte im Speziellen darauf aufmerksam gemacht werden, dass man an die 3D-Objekte heranzoomen muss, um die Hinweise zu entdecken. Außerdem sollte daraufhin hingewiesen werden, dass die Gegenstände umgedreht werden können und sich auch Hinweise auf den Rückseiten befinden.
Es sollte gemeinsam besprochen werden, dass die Graphic Novels zwar auf der Recherche von Jugendlichen und belegten Quellen basieren, aber auch fiktive Elemente enthalten. Dort, wo es Lücken in der Recherche gibt oder nur Anhaltspunkte bestehen, ist künstlerische Freiheit in der Erzählung der Geschichte möglich. Szenen können ausgeschmückt oder ergänzt bzw. künstlerisch ausgestaltet worden sein. Das lässt sich als Reflexions- und Gesprächsanlass nutzen.
Sobald die Graphic Novels freigeschaltet wurden, kann darauf hingewiesen werden, dass limettengrün leuchtende Comic-Bilder umgedreht werden können und sich dort weitere Informationen befinden. Auf den Rückseiten befinden sich entweder die Quellen, auf denen die Geschichte beruht, oder zusätzliche Informationen und Kontextualisierungen, die helfen, die Geschichte besser zu verstehen.
Manchmal kommt es vor, dass Jugendliche annehmen, alle drei verfolgten Personen seien jüdisch gewesen. Lotte Sondheimer wurde tatsächlich als deutsche Jüdin verfolgt, Martin van Gent jedoch wegen widerständigen Verhaltens als Polizist in den Niederlanden und Maurice Aubry wegen seines Widerstandes in Frankreich. Das sollte aufgeklärt und eingeordnet werden und die verschiedenen Verfolgungsgründe der Nationalsozialisten sollten an dieser Stelle erläutert werden.
Der Brief zu Lotte Sondheimer muss nicht in Handschrift gelesen werden. Eine Abschrift des Briefes befindet sich als limettengrüner Faktenpunkt auf der Rückseite.