SUSPEKT
Jugendliche erkunden in 360°-Landschaften das ehemalige Gelände des Konzentrationslager Ohrdruf, eines der zahlreichen Außenlager des KZ Buchenwald und setzen sich mit der Sichtbarkeit von NS-Verbrechen und heutigem Gedenken auseinander.
Themen
#NS-Verbrechen
#InteraktiveSuche
#Erinnerung
Dauer
flexibel einsetzbar
(Unterrichtseinheit 90 min)
Richtet sich an
Jugendliche ab
Jahrgangsstufe 9
Benötigtes Material
PC oder Tablet und
Kopfhörer für jede Person
Begleitet von der jungen Presenterin Vicky erkunden Schüler*innen selbstständig das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Ohrdruf „SIII“, das heute größtenteils öffentlich nicht zugänglich ist. Vier digitale 360°-Ansichten ermöglichen es, diesen Ort aus heutiger Sicht virtuell zu entdecken. Historische Fotografien, Dokumente, Zeitzeugeninterviews und weitere Materialien sind in die Landschaften eingebettet. Die Verbindung von räumlicher Erkundung und Auseinandersetzung mit historischen Quellen eröffnet einen Zugang zum Thema NS-Verbrechen, der Kontinuitäten, Brüche und Leerstellen des Gedenkens sichtbar macht und eine differenzierte Auseinandersetzung mit Geschichte und Erinnerung ermöglicht. Ergänzend können Schüler*innen zwischen drei thematischen Touren wählen. Sie bieten thematische Vertiefungen zur Sichtbarkeit der NS-Verbrechen für die deutsche Mehrheitsgesellschaft, zum Kriegsende aus verschiedenen Perspektiven sowie der umkämpften Erinnerung nach 1945.
- Interessengeleiteter, erkundender Ansatz
- Eigenständiges Entdecken von Landschaften, Hinweisen und Materialien
- Verknüpfung von räumlicher Erkundung und historischer Quellenarbeit
- Ausgangspunkt in der Gegenwart durch die Erkundung des Ortes heute und die Perspektive der Presenterin Vicky
- Multiperspektivischer Zugang durch historische Fotografien, Dokumente, Zeitzeug*innenberichte und weitere Quellen
Einfach
- Was sind KZ-Außenlager? Wer war dort inhaftiert?
- An welche Opfergruppen wird erinnert und an welche wird kaum erinnert? Wie wird an die Opfer der NS-Verbrechen erinnert?
Mittel
- Wer leistete in KZ-Außenlagern Zwangsarbeit? Unter welchen Bedingungen lebten und arbeiteten Zwangsarbeitende in KZ-Außenlagern?
- Wie erlebten Häftlinge, Nationalsozialisten und die alliierten Soldaten die Befreiung der Konzentrationslager und das Ende des Zweiten Weltkrieges? Wie ging es danach für sie weiter?
Schwer
- Welchen Anteil an den NS-Verbrechen hatte die deutsche Bevölkerung und was konnten sie über diese Verbrechen wissen? Wer profitierte von dem System der KZ-Außenlager?
- Wie veränderte sich das KZ-System in der Endphase des Zweiten Weltkriegs?
- Wie veränderte sich die Erinnerung an die NS-Verbrechen von 1945 bis heute und wer waren die Akteur*innen? Wie unterschied sich die Erinnerung an die NS-Verbrechen in der DDR und BRD?
- Wie sieht eine aktive Erinnerungskultur an die NS-Verbrechen aus und wie sollte mit den Tatorten der Verbrechen umgegangen werden?
- Das System der Außenlager verstehen: Das Systems der Außenlager und ihrer geographischen Ausdehnung am Beispiel des Konzentrationslagers Buchenwald verstehen
- Erinnerung als Aushandlungsprozess erkennen: Erkenntnis, dass Erinnerung und Gedenken an den Nationalsozialismus gesellschaftliche Aushandlungsprozesse sind und sich im Laufe der Zeit verändern
- Verfolgtengruppen unterscheiden : Kennenlernen verschiedener Verfolgtengruppen und Sensibilisierung für deren Gedenken
- Perspektiven erweitern: Multiperspektivischer Blick auf die Konzentrationslager, ihre Befreiung, das Kriegsende und weitere Themen
- Erinnerungskultur und Kontinuitäten reflektieren: Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur in BRD, DDR und dem vereinigten Deutschland sowie Erkennen von Kontinuitäten, Brüchen und Leerstellen des Gedenkens sowie Kontinuitäten von Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung bis in die Gegenwart erkennen
- Sichtbarkeit der Verbrechen erkennen: Bewusstsein für die Sichtbarkeit der NS-Verbrechen für die deutsche Mehrheitsbevölkerung entwickeln
Was sind mögliche Herausforderungen und Schwierigkeiten, die bei der Erkundung des interaktiven Lernmoduls auftreten können und wie kann damit umgegangen werden?
Es ist Vorwissen zum Nationalsozialismus (Machtübertragung, Ideologie, KZ-System, Zweiter Weltkrieg) notwendig, um das im Modul Gelernte einordnen zu können.
Auf einigen wenigen historischen Fotos sind menschliche Überreste zu erkennen. Sie sind nicht allzu explizit zu sehen, könnten jedoch auf einige Schüler*innen überfordernd wirken.
Das Konzentrationslager Ohrdruf war eines von insgesamt über 1.000 KZ-Außenlagern, die zwischen 1936 und 1945 existierten. Die Beschäftigung mit dem interaktiven Lernmodul kann eine gute Herleitung sein, um nach KZ-Außenlagern (und ggf. den beteiligten Firmen) im eigenen Umfeld zu forschen. Eine Überleitung zur lokalen Geschichte bietet sich sowohl in einem thematischen Einstieg in die Unterrichtseinheit, als auch in einem Unterrichtsgespräch nach dem selbstständigen Erkunden von Suspekt an.
Der virtuelle Besuch des Geländes des KZ-Außenlager Ohrdruf kann bei Schüler*innen ähnliche Gefühle wie ein Gedenkstättenbesuch hervorrufen und bspw. das Bedürfnis nach einem (gemeinsamen) Gedenken wecken. Das digitale Lernangebot kann daher gut mit lokalen Gedenkinterventionen kombiniert werden.
Die zugehörige Unterrichtseinheit finden Sie hier.